Gotik
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Kulturgeschichte 1
Gotik
2009.05.17 19:23:09
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Gotische Kunst und Architektur
Chorumgang von Abteikirche von Saint-Denis (heute ein Vorort von Paris)
Ursprung aller späteren gotischen Kirchen
Suger (der Abt (apát) von Saint-Denis) rief das Projekt ins Leben und leitete
Name des Architekten: unbekannt
Kein Einzelelement war ein Novum (Apsiden mit radial angeordneten Kapellen, Spitzbogen und Rippengewölbe) (Gewölbe = boltív)
Deutlichste Merkmale der Gotik: Spitzbogen, Rippengewölbe
Schlanke Stützen (támasz) ohne Füllmaterial
Architektonische Revolution betraf mehr die Strukturbezüge, als Einzelformen
Sie entsprach der Scholastik
Neue, dauerhafte Denkstruktur
Basiert auf einer systematisch - dialektischen Aussöhnung der Wahrheiten von Vernunft und Glauben, Philosophie und Theorie
Das wirklich neue liegt in der Art: etablierte Bautechniken werden kombiniert um einen Innenraum von noch nie dagewesener Klarheit zu schaffen
Aus den Schriften von Suger erfahren wir, welche Absichten er hatte und welche entscheidende Rolle er als Bauherr spielte
Eine Quelle, die Suger inspirierte, ist bekannt: von Dionysios (Theologe um 500 in Syrien)leitete er die Idee ab, Gott als das immaterielle Licht zu betrachten, das sich auf Erden in Harmonie und Glanz widerspiegele
Der neue Chor: veranschaulichte die neuplatonische Theologie des Heiligen
Hochaltar, neues Kreuz und liturgische Geräte: geschmückt mit Edelsteine in leuchtenden Farben -> reflektierten göttliches Licht
Politische Rolle der Kirche
Saint-Denis war eine königliche Abtei
Sie beherbergte die Reliquien des Schutzheiligen von Frankreich
Grablege der französischen Könige (seit Hugo Capet)
Suger: in der politischen Sphäre noch aktiver als in der religiösen
1122 wurde er zum Abt von S-D. gewählt
Dieser Zeit war der Bau im Verfall (hanyatlás)
Zeitgenosse: Synagoge des Satans = die Kloster
1124 begann Suger Kapital für den Umbau zu beschaffen
Hl. Bernhard von Clairvaux (scharfer Kritiker der Kloster) war auch von Neoplatonismus tief beeinflusst, aber völlig anderer Weise
1130 begann der Erzbischof von Sens den Chor in der Kathedrale von Sens mit ähnlichen Pfeilern (pillér) und Gewölben wie im Chor von S-D. neu zu bauen
Bernhard und Suger trugen beide zur Gestaltung des sich bildenden gotischen Stils bei
Abtei von Fontenay
Ist in gewisser Hinsicht gereinigte Romanik
Auf diese Weise schufen die Zisterzienser eine Version des gotischen Stils, die ihre asketische Ideale zum Ausdruck brachte
Eigenschaften ihrer Kirchen
Gerade schließende Chöre (ohne Apsiden)
Schlanke gotische Fenster
Hohe Gewölben
All diese Eigenschaften beziehen ihre Wirkungen aus der Präzision ihrer Steinmetzarbeit (kQfaragó) und dem Gleichgewicht schlichter Proportionen
Aufmerksamkeit wurde von Ornament und Dekoration auf Form und Struktur gelenkt
Ziel der Zisterzienser: Rückkehr zu ursprünglicher Schlichtheit und Reinheit
Analogien zw. den wesentlichen Prinzipien der gotischen Architektur und den alten Traditionen der Holzbauweise
Im nördlichen Europa gab es sehr viel Holz (Süden: Stein; Osten: Lehmziegel)
Grundbauplan: 4 aufrecht stehende, oben durch Balken verbundene Pfosten (cölöp) stützten die schrägen Sparren (szarufa) eines geeigneten Daches
Dieses Skelett ist ein Ursprung des Rastersystems: dieses System unterscheidet nördliche Kirchen (ST. Michael in Hildesheim oder Santiago de Compostela) von italienischen Basiliken
Ile de France: Deutliche Erinnerungen an die frühen Holzskelette
Hier war Holzbauweise üblich
3 gotische Kathedralen in Noyon, Laon und Paris (Notre-Dame)
1174 der Chor der Kloster- und Kathedralkirche von Canterbury brannte aus, deshalb nahmen die Mönche einen Architekten in ihre Dienste (William von Sens)
Die Hochgotik
Drei klassische Kathedralen: Chartres, Reims, Amiens
Jean dOrbais war der Architekt von Reims
Robert de Luzarches hat das Schiff von Amiens entworfen
Villard de Honnecourt war der Autor des einzigen Skizzenbuchs eines Architekten aus diesem Zeitabschnitt (er sah sich auch im Ungarn um)
Amiens
Charakterisierung
Hier erreichte der gotische Innenraum seinen Höhepunkt (riesiger, emporschwingender (felfelé lendülQ) Innenraum, Höhe = 3x die Breite)
Das Mittelschiff und der Altarraum mit einem beinahe zentralen Querschiff schaffen einen durchsichtigen räumlichen Rhythmus
Die mitreißende Kraft verläuft vertikal: aufstrebenden, zart geführten Linien, die hoch oben die Anmut gotischer Bogen hervorbringen
Pfeiler = Bündel runder Säulenschäfte, die bis zum Fenstergaden reichen und dort sich in Gewölberippen verzweigen
Die Joche sind länglich
Die Bogen der Arkaden sind schmaler als zuvor und nur durch ein niedriges Triforium von den Fenstern getrennt (vertikale Beschleunigung der Schwungkraft der Pfeiler des Mittelschiffs)
Enge Arkaden, überspitzte Bogen und an die Stelle der Wand hinter dem Triforium Fenster treten (horizontal)
Innenraum: gibt ein vibrierendes Leben und eine elastische Spannung durch den schwierigen Ausgleich zw. Höhen- und Vorwärtsdrang
Glasmalerei und Strebebögen
Amien
Glasfenster (dadurch sickerte das überirdische Licht) mit immaterieller Farbigkeit
Seit dem 4. Jh.: buntes Glas in Kirchenfenster einsetzen
Seit dem 11. Jh.: die Fenster zeigen zuweilen Figuren
Saint-Denis
Abt Suger sah in den Figuren doppelte Symbolik, die ihrer Thematik und die Verklärung durch das neue Licht=lux nova des Evangeliums nannte
Allgemein
Glasfenster: spirituelle und physische Erleuchtung
Figuren: stehen zu den Lehren, die in der ganzen Serie verkündet werden
Viel sind dem Kult der Jungfrau Maria geweiht
Auf dem Schoß: die Jungfrau mit dem Christuskind es bildet das Zentrum der großen Fensterrose des nördlichen Querschiffs
Um sie herum: Bilder in symbolischer Zwölfzahl: Engel, Erzengel, 4 weiße Tauben, Könige von Israel, Propheten am äußeren Rand
Sie weisen auf die Jungfrau und das Kind hin, dadurch wird das Neue und das Alte Testament miteinander verbunden
Andere Fenster schildern Szenen aus dem Leben der Heiligen
Diese Fenster dienten den Armen und Analphabeten als Bibel
Mystische Bedeutung des Lichts: die Fenster schaffen eine Atmosphäre, die jener der Alltagswelt weit entrückt ist
Vorherrschende Farben: rot und blau so erhält das Licht einen violetten Ton
Glaswände werden immer mehr benutzt (Sainte Chapelle in Paris; Hofkapelle der französischen Könige)
Maßwerk ist eine gotische Erfindung (kQrács)
Streben nach immer mehr Höhe wurde von Sehnsucht nach Licht und Unstofflichkeit ausgelöst
Die hohe Gewölbe brauchten Unterstützung von außen das ist Strebebogen
Ähnliches Strebewerk in der romanischen Architektur (unter den Dächern der Seitenemporen versteckt)
Um größere Fensterflächen zu gewinnen, ließen die gotischen Architekten die Emporen (karzat) weg und legten die Strebebogen offen und ließen sie unten in schlanke Skelettstützen auslaufen
Sie wurden skulptiert, mit kleinen Türmchen oder Figuren gekrönt
Hauptfassaden (fQhomlokzat) wiederholen die horizontalen Teilungen des inneren Aufrisses
Finanzen und Theologie
Chartres
8 Türme waren geplant, aber es wurden nicht alle gebaut (bei den anderen Kathedralen ist die Situation genau so)
Das Domkapitel sollte 1194 drei Jahre auf seine Bezüge verzichten
Fenster im nördlichen Querschiff: von Königin Blanche gespendet
Andere Fenster: Geschenke der Zünfte (Chorhaupt: Geschenke von Metzger-, Bäcker- und andere lokale Zünfte)
Die wenige Bürger spendeten sehr viel zu dieser Zeit für die Bausumme für ihre Kathedrale
Die Kathedrale wurde eine wichtige städtische Institution (Messen und Märkte auf den Plätzen des Domkapitels)
13. Jh.: Straßburger Bürger luden sich die finanzielle Verpflichtungen auf
Allgemein
Bauarbeiten: begannen normalerweise mit dem Chor und schritten über das Mittelschiff fort zur Fassade
Kathedralenbau: finanziell ein Mammutunternehmen
Quellen: Erträge aus den großen landwirtschaftlichen Besitzungen der Kirche
Steuern, die die Bischöfe eintrieben
Opfergaben von Pilgern und der ortsansässigen Bevölkerung
Reichen (aber nur für Sondervorhaben, an denen man ihre Namen anbringen konnte Glasfenster)
Die Architekten sind oftmals namentlich bekannt, man weiß kaum etwas über sie
Bei Amiens: Robert de Luzarches
Bei Reims: Jean dOrbais
Bei Chartres: 3 Anonyme Meister
Sie erwarben umfangreiche Fachkenntnisse in Konstruktion, Architekturzeichnen, Geometrie und den Regeln der Proportion in den Bauhütten oder Werkstätten von einem Meister
Alle Arbeiten wurden nach gründlichen Beratungen mit dem Bischof durchgeführt
Gesimse (párkány) wurden immer komplizierter
Zahlreiche gemeißelte Figuren (faragott, vésett)
Chorumgang von Saint-Denis
Die Kapitelle von scharf gemeißelten Girlanden aus naturalistischen Blättern ersetzt
Sie sind nicht identisch
Allgemein
Hl. Thomas Aquin war der größte Theologe des Mittelalters, Verfasser der Summa theologica
Er definierte Schönheit als eine gewisse Übereinstimmung divergierender Elemente
Mittelalter: Kirche = Mikrokosmos der allumfassenden katholischen Kirche, personifiziert durch Jungfrau Maria (Chartres, Paris, Reims)
Turmspitzen und Fialen streben nach oben
Spezielle Symbole mögen Weinlaub und Eichenlaub sein (sie illustrieren die Worte des 24. Psalms)
Jeder Werk verkündete den Ruhm Gottes und die Wunder seiner Schöpfung
Albigenser und Katharer: dualistische Auffassung alles Stoffliche sei schlecht und nur das Geistige sei gut
Kathedrale: Enzyklopädie der göttlich geordneten Schöpfung
Skulptur und Malerei
Chartres
Am West- oder Königsportal sind die Säulen mit geometrischen Mustern verziert
Könige und Königinnen des Alten Testaments wurden schlanker und säulenförmig
Am Südportal des Querschiffs zeigen die Figuren deutliche Individualität
Reims
Westportal: Heilige und Engel sind als vollplastische Gestalten konzipiert
Heimsuchung stummes Zwiegespräch zw. Maria und Elisabeth
Reich gerafften Falter ihrer Gewänder bringen ihr physisches und moralisches Gewicht zum Ausdruck
Der Künstler muss römische Statuen gekannt und studiert haben (Technik der Faltenwurf)
Pose jeder Figur (Knie gebeugt) greift auf das klassische Altertum zurück
Jungfrau (links von der Heimsuchung) Faltenwurf: geschmeidig
Der lächelnde Engel Faltenwurf: unabhängig vom Körper ausgeführt
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CJaJmH phsH rt immer in der Gotik wieder (Elfenbeinstatuette der Jungfrau mit dem Kind)
Die drei Bildhauer (Architekt auch) haben sich von romanischen Konventionen weit entfernt
Allgemein
Der Naturalismus erhielt mächtigen Auftrieb
Gotik gewann Allgemeingültigkeit
Psalter (zsoltárkönyv) des hl. Ludwig eine Seite ist mit den gleichen kräftigen Konturen und großen, leuchtenden Farbflächen ausgestattet wie ein farbiges Glasfenster
Engel: Ähnlichkeit mit der Statue an der Westfassade der Kathedrale von Reims
Gotische Kunst: die Szene menschlich zu vergegenwärtigen
Allegorische Bedeutung bleibt wichtig (2. Platz)
1. Platz: dramatische Präsentation
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